Beziehungskrise überwinden: Wie ihr mit Tiefpunkten in der Partnerschaft umgeht – mit Impulsen, Modellen & neuen Perspektiven

24. August 2025

Beziehungskrise überwinden: Wie ihr an Krisen wachsen könnt

Jede Beziehung durchläuft Höhen und Tiefen – doch Krisen müssen kein Ende bedeuten. In diesem Artikel erfahrt ihr, wie ihr eine Beziehungskrise überwinden und als Paar gestärkt daraus hervorgehen könnt.


Warum „Good Vibes only“ kein realistisches Beziehungsprinzip ist

„Good Vibes only“ – habt ihr diesen Spruch schon mal irgendwo gelesen? Als Wand-Tattoo, auf einem Notizbuch oder einer Kaffeetasse?

Ich hatte diesen Spruch früher selbst als gerahmtes Bild an der Wand – bis ich merkte: Er erzeugt Druck. Immer gut drauf sein? Das hat mich irgendwann eher gestresst als inspiriert.

Aber was passiert in einer Beziehung, wenn es gerade nicht gut läuft? Wenn Enttäuschung, Wut oder Traurigkeit Raum brauchen – und stattdessen ein Lächeln erwartet wird?

Studien zeigen: Wer Gefühle wie Frust oder Enttäuschung dauerhaft unterdrückt, erhöht das Risiko für psychische Belastungen. Laut dem Journal of Experimental Psychology (2020) kann diese emotionale Unterdrückung zu Angststörungen und depressiven Verstimmungen führen. Eine frühere Studie (Gross & Levenson, 1997) fand zudem heraus, dass unterdrückte Emotionen die Stressreaktion im Körper verstärken.


Was ist eine Beziehungskrise überhaupt?

Vielleicht kennt ihr das: Ihr streitet häufiger, zieht euch zurück oder lebt nur noch nebeneinander her. Manchmal sind es äußere Umstände, die eine Beziehung belasten – manchmal ein inneres Gefühl der Entfremdung.

Typische Auslöser für eine Beziehungskrise können sein:

  • Anhaltende Konflikte ohne Lösung
  • Kommunikationsprobleme
  • Veränderungen im Alltag (z. B. Jobverlust, Krankheit)
  • Ein Seitensprung oder Vertrauensbruch
  • Eine Sinnkrise, die einen Partner innerlich entfernt

Das alles sind „Obstacles“ – also Hindernisse oder Tiefpunkte, wie der spirituelle Lehrer Keshava Swami sie nennt.


„Obstacles are not Obstacles“ – ein neuer Blick auf Krisen

Der Mönch Keshava Swami sagt: Eine Krise wird erst dann zur Krise, wenn wir davon ausgehen, dass sie…

  • …nicht kommen darf
  • …schlecht ist
  • …nicht überwindbar ist

Diese Sichtweise hat mich selbst begleitet – in einer Zeit, in der ein Plan komplett gescheitert ist. Ich spürte: Erst kam der Schock, dann der Widerstand – und schließlich die Akzeptanz.

In Beziehungen ist es oft ähnlich. Der eigentliche Schmerz liegt nicht nur im Konflikt – sondern darin, dass wir ihn nicht erwartet haben oder nicht glauben, dass wir ihn gemeinsam überstehen können.


Was tun bei Beziehungskrisen? 6 konkrete Schritte

1. Akzeptiert, dass Krisen dazugehören

Keine Beziehung ist konstant harmonisch. Tiefpunkte sind kein Zeichen von Scheitern – sondern ein Hinweis auf notwendige Veränderung.

2. Nehmt die Situation an

Statt euch gegenseitig Vorwürfe zu machen, schaut gemeinsam hin: Was passiert hier gerade wirklich?

3. Redet miteinander – ehrlich und ohne Bewertung

Sprecht über eure Gefühle, Ängste und Wünsche. Nicht alles muss sofort gelöst werden, aber alles darf ausgesprochen werden.

4. Senkt den Erwartungsdruck

Der Anspruch „Wir müssen glücklich sein“ erzeugt mehr Druck als Verbindung. Seid realistisch – und milde mit euch selbst.

5. Holt euch Unterstützung

Paarberatung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortung. Ihr müsst das nicht allein durchstehen.

6. Erkennt, was ihr lernen könnt

Krisen machen sichtbar, was sonst überdeckt bleibt: Kommunikationsmuster, emotionale Bedürfnisse, unbewusste Erwartungen. Hier beginnt Wachstum.


Beziehungskrise überwinden – Drei Perspektiven, die helfen, an eurer Beziehungskrise zu wachsen

Keshava Swami schlägt drei Perspektiven vor, um aus Krisen Kraft zu schöpfen:

1. Das Gute rund um das Schlechte

Gibt es trotz Konflikt kleine Momente der Nähe? Den Wunsch, dranzubleiben? Einen ehrlichen Satz, der euch berührt hat?

2. Das Gute, das aus dem Schlechten entstehen kann

Viele Paare berichten: Die Krise war der Wendepunkt. Danach wurde manches klarer. Tiefer. Echter.

3. Das Gute, das ihr entwickeln dürft

Ihr könnt lernen, euch gegenseitig besser zu verstehen. Eure Bedürfnisse zu benennen. Nähe neu zu gestalten. Konflikte respektvoll zu führen.


Kann man nach einer Beziehungskrise wieder zueinanderfinden?

Ja – wenn beide bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und sich auf den Prozess einzulassen.

In der Paartherapie sprechen wir von Homöostase – dem Gleichgewicht, das durch eine Krise ins Wanken geraten ist. Ziel ist nicht, zurück zum Alten zu finden, sondern gemeinsam etwas Neues zu entwickeln.

Viele Paare erleben nach überstandenen Krisen eine tiefere Verbindung als zuvor. Nicht weil es leicht war – sondern weil sie sich wirklich begegnet sind.


Denkanstoß: Was, wenn diese Krise euch etwas zeigen will?

Vielleicht ruft euch die Krise nicht auseinander – sondern zu einem ehrlicheren Miteinander.

Fragt euch gemeinsam:

  • Was dürfen wir in unserer Beziehung neu lernen?
  • Wovor schützen uns unsere Konflikte vielleicht?
  • Was wollen wir wirklich miteinander erleben?

Fazit: Krisen als Einladung zu Verbindung

„Good Vibes only“ klingt nett – ist aber keine tragfähige Grundlage für eine echte Beziehung.
Das Leben ist nicht nur hell. Und genau in den Tiefen liegt oft die Chance für Nähe, Verständnis und ein neues Miteinander.

Merksatz: Eine Beziehungskrise ist kein Ende – sondern ein Wendepunkt. Ihr könnt eure Beziehungskrise überwinden.


Mehr für euch als Paar

Paartherapie & Paarberatung entdecken
Alle Newsletter-Beiträge lesen


de_DEGerman