
27. Juli 2025
Ein Geistlicher wurde einmal gebeten, den Unterschied zwischen Himmel und Hölle zu beschreiben.
Mit einer Handbewegung manifestierte er eine Vision der Hölle: eine Gruppe hungriger, abgemagerter Männer saß am Esstisch und wartete sehnsüchtig auf ihr Mittagessen. Schalen mit Suppe standen bereit. Das Problem war jedoch, dass ihre Hände die Form ungewöhnlich langer Löffel hatten – und so sehr sie sich auch bemühten, sie konnten die Nahrung nicht in den Mund bringen. Es war eine Qual! Ein wahres Festmahl, doch niemand konnte essen.
Der Rabbi bewegte nun seine andere Hand und zeigte eine Vision des Himmels. Interessanterweise war es derselbe Tisch, dieselbe Mahlzeit und dieselben langen, löffelförmigen Arme. Im Himmel jedoch schienen alle zufrieden und gesund. Als sie begannen zu essen, wurde das Geheimnis offenbart: Im Himmel benutzte jeder seinen langen Löffel, um die gegenüber sitzende Person zu füttern – und wurde im Gegenzug ebenfalls gefüttert.
Perfekte Zusammenarbeit!
Der Unterschied zwischen Himmel und Hölle: Selbstlosigkeit versus Selbstsucht.
Ich habe diese Geschichte zum ersten Mal in einem spirituellen Kontext gelesen – und sofort gedacht: Das ist Beziehung. Exakt das.
Nicht weil alles gleich ist. Sondern weil das Prinzip stimmt.
Viele Paare, mit denen ich arbeite, beschreiben genau diese Erfahrung:
Sie sind erschöpft, innerlich leer, und haben das Gefühl, nicht mehr zueinander durchzudringen.
Beide sehnen sich nach Nähe, nach Verbundenheit.
Aber keiner macht den Anfang.
Im Alltag läuft das oft so subtil, dass wir es kaum bemerken:
Ich warte darauf, dass du auf mich zugehst.
Du hoffst, dass ich dich endlich sehe.
Ich denke, du bist kalt.
Du denkst, ich bin fordernd.
Und irgendwann fühlt sich alles nur noch schwer an.
Dabei sitzen beide am selben Tisch. Mit Suppe. Und Löffeln.
Aber die Bewegung, die Verbindung schafft – die fehlt.
Wenn wir verletzt sind, wenn wir unsicher sind, wenn wir uns nicht gesehen fühlen – ziehen wir uns oft zurück. Oder wir greifen an.
Wir versuchen, uns zu schützen.
Das ist menschlich.
Aber auf Dauer entsteht daraus eine Beziehung, in der es nur noch um Absicherung geht. Um Gerechtigkeit, Kontrolle, Selbstschutz.
Nicht mehr um Verbindung.
In solchen Momenten verlieren wir das „Wir“ aus dem Blick.
Beziehung funktioniert nicht, wenn ich warte, dass du dich zuerst bewegst.
Sie beginnt dort, wo ich mich entscheide, dich wieder zu sehen.
Nicht als Gegner. Nicht als Erfüllungsgehilfin oder Erwartungsträger.
Sondern als Mensch, der ebenfalls hungert – auch wenn er es gerade nicht zeigt.
Ich muss dafür nicht perfekt sein. Nur bereit, meinen Löffel einmal auf die andere Seite zu bewegen.
„Der dämonische Mensch denkt: ‚So viel Reichtum habe ich heute, und ich werde noch mehr nach meinen Plänen gewinnen. So vieles gehört mir, und es wird in Zukunft immer mehr werden.’”
(Bhagavad Gita 16.13)
Diese Haltung kennen wir auch in Beziehungen:
„Ich habe so viel gegeben. Jetzt bist du dran.“
„Ich komme immer zu kurz.“
„Du denkst nur an dich.“
Aber Beziehung funktioniert nicht über Bilanz.
Nicht über Haben.
Sondern über Hingabe – und über die Bereitschaft, auch mal zu geben, ohne dass der/die andere zurückgeben kann. Weil genau das Nähe schafft.
… geht es oft nicht um große Lösungen. Sondern um kleine Bewegungen zurück ins „Wir“.
Darum, wieder neugierig zu werden aufeinander.
Alte Muster zu unterbrechen.
Sich wieder gegenseitig zuzutrauen, dass der andere es gut meint – auch wenn es gerade nicht gut läuft.
Ich glaube nicht an perfekte Paare.
Aber ich glaube an bewusste Beziehungen.
Und daran, dass es möglich ist, einander wieder zu begegnen – auch nach Jahren des Nebeneinanders.
Wenn ihr merkt: Da steckt etwas fest. Wir wollen da raus, aber alleine drehen wir uns im Kreis – dann kann eine Begleitung von außen entlasten und sortieren helfen.
Die gemeinsame Arbeit beginnt mit einem ersten Gespräch, in dem es nicht um Schuld oder „wer hat was falsch gemacht“ geht. Sondern darum, zu verstehen, wie ihr als System funktioniert. Wo sich Muster wiederholen, wo Nähe verloren gegangen ist, wo vielleicht beide gleichzeitig kämpfen und schützen.
Ich arbeite systemisch-integrativ – das heißt, ich schaue mit euch auf das große Ganze, beziehe emotionale, körperliche und biografische Ebenen mit ein.
Es geht nicht darum, schnell Lösungen zu liefern, sondern darum, euch als Paar wieder handlungsfähig zu machen.
Ein erstes Gespräch kann bereits klären:
Oft entstehen schon in der ersten Sitzung erste Aha-Momente – nicht, weil alles sofort gut ist, sondern weil endlich wieder etwas in Bewegung kommt.
Wenn ihr euch darin wiedererkennt: Ich begleite euch gern – einfühlsam, klar, auf Augenhöhe.
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Kategorien:
Paartherapie