
17. Dezember 2025
Als Paarberaterin erlebe ich immer wieder, wie oft Paare verzweifelt versuchen, Probleme wegzureden oder zu ignorieren, anstatt sie wirklich zu bearbeiten. Vielleicht kennst du das auch: Ihr liebt euch – und trotzdem drehen sich Gespräche im Kreis oder enden in Rückzug, Vorwürfen oder Schweigen.
Doch was erfolgreiche, stabile Beziehungen auszeichnet, ist nicht, dass sie keine Konflikte haben – sondern wie sie damit umgehen.
Genau hier setzt die Forschung an. Was Partnerschaften langfristig trägt, sind keine perfekten Gespräche, sondern emotionale Kompetenzen: die Fähigkeit, eigene Emotionen und Bedürfnisse auszudrücken und die des anderen wirklich zu hören.
Kurz gesagt: Beziehungsfähigkeit lernen.
Siehe auch:
Beziehungsfähigkeit beschreibt die emotionale Kompetenz, in Verbindung zu bleiben – auch wenn es schwierig wird. Sie zeigt sich nicht im konfliktfreien Alltag, sondern genau dort, wo Bedürfnisse, Unterschiede oder Verletzungen sichtbar werden.
Die Paarforschung, unter anderem von John Gottman, zeigt seit Jahrzehnten:
Nicht Konflikte an sich gefährden Beziehungen, sondern Abwehr, Kritik, Rechtfertigung und emotionaler Rückzug als Reaktionen darauf (Gottman & Levenson, 1992).
Beziehungsfähigkeit lernen bedeutet daher vor allem, zwei Fähigkeiten bewusst zu entwickeln.
Wenn wir in Konflikten vor allem Vorwürfe äußern, schaltet unser Gegenüber meist sofort in den Verteidigungsmodus. Das ist kein Zeichen von fehlendem Willen, sondern eine gut erforschte Stressreaktion.
Eine große Meta-Analyse zur emotionalen Intelligenz in romantischen Beziehungen zeigt deutlich:
Menschen, die ihre Gefühle klar ausdrücken und eigene Bedürfnisse benennen können, berichten über höhere Beziehungszufriedenheit und weniger destruktive Konfliktmuster.
Emotional intelligence and romantic relationship satisfaction – Systematic Review and Meta-Analysis (2022).
Auch Kommunikationsforschung bestätigt:
Paare, die ihre Gefühle und Bedürfnisse klar und nicht-kritisch ausdrücken, erleben weniger Eskalation und mehr emotionale Nähe.
The communication of emotion during conflict in married couples.
Im Alltag bedeutet das, Bedürfnisse in Ich-Botschaften zu formulieren:
Der Inhalt bleibt ähnlich – die Wirkung ist eine völlig andere. Beziehungsfähigkeit lernen heißt hier: Verantwortung für das eigene Erleben übernehmen, ohne den anderen anzugreifen.
Die andere Seite der Medaille ist das Zuhören. Wirklich zuhören.
Viele Menschen erleben Kritik automatisch als Angriff – und reagieren mit Rechtfertigung, Rückzug oder Gegenangriff. Evolutionspsychologisch ist das nachvollziehbar, beziehungsdynamisch jedoch problematisch.
Studien zur partnerschaftlichen Kommunikation zeigen:
Paare, die empathisch zuhören, finden häufiger konstruktive Lösungen und fühlen sich auch nach schwierigen Gesprächen wieder verbunden.
Interpersonal Communication, Emotional Intelligence, Conflict Resolution, Relational Satisfaction.
Es geht dabei nicht nur darum, was gesagt wird – sondern wie es gehört wird.
Offen anzunehmen bedeutet:
So wird Kritik zu einer Einladung zur Entwicklung – nicht zu einem Angriff.
Ja. Und das ist eine zentrale, wissenschaftlich gestützte Erkenntnis.
Emotionale Intelligenz ist keine feste Persönlichkeitseigenschaft, sondern entwickelbar. Sie beeinflusst nachweislich:
Paartherapie und Kommunikationstrainings setzen genau hier an.
Wenn ihr Beziehungsfähigkeit lernen möchtet, helfen folgende Schritte:
Beziehungsfähigkeit lernen heißt, Nähe bewusst zu gestalten.
Die Fähigkeit, schwierige Dinge liebevoll auszusprechen und schwierige Dinge offen anzunehmen, sind keine unerreichbaren Ideale – sondern wissenschaftlich belegte Schlüsselfähigkeiten für stabile, erfüllte Beziehungen. Nähe entsteht dort, wo Menschen bereit sind, sich ehrlich mitzuteilen und einander wirklich zuzuhören.
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Allgemein, Paartherapie