Intrinsische Motivation

8. November 2025

Intrinsische Motivation: Warum Purpose allein nicht reicht

Neulich fragte mich eine Klientin im Coaching:
„Überall lese ich, dass intrinsische Motivation bedeutet, etwas aus Sinn und innerem Antrieb heraus zu tun. Ich habe einen Purpose, ich weiß, warum ich tue, was ich tue — aber trotzdem fällt es mir morgens manchmal schwer aufzustehen. Kann das sein?“

Diese Frage hat mich berührt, weil sie so ehrlich ist — und weil viele Menschen glauben, dass Sinn allein automatisch Energie freisetzen müsste.
Doch in der Praxis erleben wir: Purpose ist wichtig. Aber Purpose ist nicht alles.


Was wir oft übersehen: Motivation braucht Energie

Wir neigen dazu, Motivation als etwas rein Innerliches zu betrachten — als „Wollen“.
Doch um handeln zu können, brauchen wir auch das „Können“:
Kraft, innere Ruhe, Erholung, Nervensystem-Regulation.

Oder in einem Satz:
Motivation = Wollen.
Energie = Können.
Beides gehört zusammen.

Wenn die Energie fehlt — weil wir müde, erschöpft, überreizt oder ausgebrannt sind — dann kann selbst der größte Purpose stumpf wirken.


Was sagt die Forschung dazu?

1. Intrinsische Motivation wirkt positiv — aber nicht grenzenlos

Studien zeigen, dass Menschen, die aus innerer Motivation arbeiten,

  • mehr Engagement,
  • mehr Freude
  • und länger anhaltende Zufriedenheit erleben.

Aber: Sie ermüden trotzdem, wenn Erholung fehlt.
In einer Studie von Stockkamp (2022) wird dies sogar als „die Schattenseite intrinsischer Motivation“ beschrieben:
Wer sehr motiviert ist, neigt eher dazu, nicht rechtzeitig Pausen zu machen.

2. Sinn ersetzt keine Regeneration

Die Forschungsgruppe um Sonnentag & Fritz (u. a.) zeigt seit Jahren deutlich:
Erholung ist nicht Luxus — sie ist Voraussetzung dafür, dass Motivation wirksam bleibt.

Erholungsprozesse wie:

  • Abschalten (mentales Loslassen)
  • Entspannung
  • soziale Verbundenheit
  • Schlaf
    sind entscheidend dafür, dass wir am nächsten Tag wieder Zugang zu unserem inneren Antrieb haben.

3. Selbstbestimmungstheorie (Deci & Ryan)

Laut der Selbstbestimmungstheorie entsteht nachhaltige Motivation aus:

  • Autonomie (ich habe Wahlfreiheit)
  • Kompetenz (ich kann etwas gut oder entwickle mich darin)
  • Verbundenheit (ich fühle mich mit etwas oder jemandem verbunden)

Aber auch hier gilt: Ohne Energie kann ich diese Bedürfnisse nicht erfüllen.


Ein Reframe, der vieles verändert

Nicht: „Warum bin ich nicht motiviert genug?“
Sondern:
„Welche Energie steht mir gerade zur Verfügung — und was brauche ich, um sie zu regenerieren?“

Das ist Selbstfürsorge.
Und es ist reifer als „höher, schneller, mehr Purpose“.


Reflexion für dich

Nimm dir einen Moment und spüre in diese Fragen hinein:

  1. Wo erlebst du echten inneren Antrieb?
    (Nicht „ich sollte“, sondern „ich will“.)
  2. Wie gut erlaubst du dir Erholung?
    (Nicht nur „frei haben“, sondern wirklich abkoppeln.)
  3. Wo kannst du dir kleine, regelmäßige Energiequellen zurückholen?
    (Pausen, Schlaf, Atem, Natur, Humor, Nähe.)
  4. Was wäre ein erster, sanfter Schritt heute?
    Kein „großer Umbruch“ — sondern eine 2-%-Justierung.

Fazit

Intrinsische Motivation ist ein kraftvoller Motor.
Purpose gibt Richtung.
Aber Regeneration ist der Treibstoff.

Ohne Energie verlieren wir den Zugang zu dem, was uns eigentlich inspiriert.

Wahre Motivation entsteht dort,
wo Sinn und Erholung sich die Hand reichen.

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