
24. August 2025
„Good Vibes only“ – hast du diesen Spruch schon mal irgendwo gelesen? Als Wand-Tattoo, auf einem Notizbuch oder einer Kaffeetasse?
Ich hatte diesen Spruch früher selbst als gerahmtes Bild an der Wand – bis ich merkte: Er erzeugt Druck. Immer gut drauf sein? Das hat mich irgendwann eher gestresst als inspiriert.
„Good Vibes only“ klingt nett. Positiv. Leicht.
Aber was bedeutet er eigentlich – und was macht er mit uns, wenn es gerade nicht gut läuft?
Psychologische Studien zeigen, dass sogenanntes „Toxic Positivity“ – also das ständige Streben nach positiver Stimmung und das gleichzeitige Verdrängen negativer Emotionen – langfristig psychische Belastungen fördern kann.
Eine im Journal of Experimental Psychology (2020) veröffentlichte Studie weist darauf hin, dass Menschen, die ihre Emotionen chronisch unterdrücken, ein höheres Risiko für depressive Verstimmungen und Angststörungen haben.
Auch eine Studie aus dem Journal of Personality and Social Psychology (Gross & Levenson, 1997) zeigte, dass emotionale Unterdrückung mit erhöhter physiologischer Stressreaktion und innerem Druck einhergeht – was langfristig zu Erschöpfung und psychischer Dysbalance führen kann.
Zurück zu „Good Vibes only“ – Glaubst du daran, dass das Leben ausschließlich aus Höhen besteht?
Vermutlich nicht. Ich auch nicht.
Und obwohl wir wissen, dass das Leben Höhen UND Tiefen für uns bereithält, sind wir doch immer wieder bestürzt – zumindest überrascht – wenn Krisen (engl. „Obstacles“) plötzlich eintreten.
Das englische Wort „Obstacle“ hat für mich keine passende deutsche Übersetzung. Obstacle heißt so viel wie:
“Obstacles” haben viele Gesichter, z.B.
Keshava Swami gibt in seinen Vorträgen spannende Impulse zum Umgang mit Obstacles.
Er sagt:
Eine Krise wird erst dann zur Krise, wenn wir davon ausgehen, dass Krisen…
Seine Worte haben mich besonders in einer schwierigen Zeit begleitet – als ein eigener Plan komplett gescheitert ist. Ich habe dabei selbst genau diesen Dreiklang wahrgenommen: Überraschung, innerer Widerstand – und dann der Schritt in die Akzeptanz.
Als Allererstes: Schraube deine Erwartungen herunter. „Good Vibes Only“ ist ein schön klingender Spruch auf der Kaffeetasse – aber er entspricht nicht der gelebten Realität.
Akzeptiere, dass Krisen, Hindernisse und Herausforderungen zum Leben dazugehören.
Wenn ein „Obstacle“ auftaucht, nimm die Situation an. Erkenne an, dass es nicht nach Plan läuft. Nimm wahr, wie du dich fühlst, und sprich unbedingt mit deinem engsten Kreis darüber. Unterdrücke nicht deine Emotionen oder versuche, eine schöne Fassade aufrechtzuerhalten. Sonst wird es dir nachts den Schlaf rauben – oder du wirst andere psychosomatische Symptome von Stress erfahren.
Obstacles kommen – und gehen. Schöpfe Hoffnung, indem du dich anderen Menschen anvertraust und Unterstützung suchst und annimmst. Obstacles sind eine Chance zu erkennen, wer deine wahren Freund*innen sind.
Jede langjährige Beziehung macht mindestens eine (kleine bis große) Krise durch. Partnerschaft bedeutet nicht Symbiose. Die Verliebtheitsphase dauert nicht für immer an.
In der Paarberatung höre ich oft: „Wir dachten, wir sind die Einzigen, bei denen es so schwer ist.“ Es ist entlastend, zu erkennen: Diese Tiefpunkte gehören dazu – auch in Beziehungen, die stark und liebevoll sind.
Krisen und Herausforderungen gehören dazu – auch in der Liebe. Viele Paare berichten, dass sie nach überstandenen Krisen auf einer ganz neuen Ebene miteinander verbunden sind. Was vorher als selbstverständlich galt, wird plötzlich bewusster gestaltet. Es entsteht ein anderes Maß an Tiefe, Echtheit und gegenseitigem Respekt.
Oft sind es genau diese schwierigen Phasen, in denen beide Partner*innen lernen:
Ein neues Miteinander entsteht.
In der Relationship Counseling spricht man in diesem Zusammenhang von Homöostase – dem Gleichgewichtszustand einer Beziehung. Krisen zeigen oft, dass dieses Gleichgewicht gestört ist. Paarberatung kann helfen, die dahinterliegenden Dynamiken zu erkennen, blinde Flecken sichtbar zu machen und neue, gesunde Wege des Miteinanders zu finden.
Der Verlust des Jobs ist oft nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine tiefe persönliche Krise. Die Frage „Wer bin ich, wenn ich nicht arbeite?“ stellt vieles in Frage.
Auch hier greift das Modell:
Viele Menschen berichten rückblickend, dass der Jobverlust der Beginn eines neuen Weges war. Auch wenn dieser Weg schwer war – er hat sie näher zu sich selbst geführt.
Die vielleicht stillste und doch mächtigste Form der Krise ist die Sinnkrise.
Diese Form der „Obstacle“ kann lähmen – oder transformieren.
Viele entdecken im Nebel der Sinnkrise eine neue Verbindung zu sich selbst.
Keshava Swami empfiehlt, diese 3 Punkte zu reflektieren:
„Good Vibes only“ klingt nett, ist aber nicht realistisch – und auf Dauer sogar schädlich.
Das Leben ist kein Dauerhoch. Es ist Bewegung. Wandel. Höhen und Tiefen.
Und genau in diesen Tiefen liegt die Chance für Wachstum, Erkenntnis und echte Verbindung – zu uns selbst und zu anderen.
Hast du das Gefühl, in einer Krise zu stecken? Ich kenne diese Phasen. Sie fordern uns heraus – manchmal bis an den Rand. Aber gerade dort entsteht oft etwas Neues. Und du musst da nicht allein durch.
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Allgemein, Coaching