Streit in der Beziehung

16. Juni 2026

Streit in der Beziehung – worüber ihr in Wahrheit streitet

Alle Paare streiten. Das ist keine Ausnahme – das ist die Regel. Und es ist auch gut so, denn Streit gehört zu einer lebendigen Beziehung dazu.

Was mich in meiner Arbeit als Paartherapeutin aber immer wieder beschäftigt: Viele Paare streiten immer wieder über dieselben Themen. Seit Monaten. Manchmal seit Jahren. Und beide wissen eigentlich längst wie der Streit ausgeht – noch bevor er richtig angefangen hat.

Was die Forschung über Streit in der Beziehung sagt

John Gottman, einer der renommiertesten Paartherapeuten und Beziehungsforscher weltweit, hat in jahrzehntelanger Forschung etwas herausgefunden das viele Paare zunächst erschreckt: 69 Prozent der Probleme über die Paare streiten sind grundsätzlich nicht lösbar. Es sind wiederkehrende Konflikte die ein Leben lang in der Beziehung bleiben werden.

Das klingt ernüchternd. Ist es aber nicht. Denn Gottmans eigentliche Botschaft lautet: Das Ziel sollte nicht sein diese Probleme zu lösen, sondern einen Dialog darüber zu entwickeln der von Akzeptanz, Zuneigung und manchmal auch Humor geprägt ist.

Der Unterschied zwischen Paaren die an ihren Konflikten wachsen und solchen die daran zerbrechen liegt also nicht darin ob sie streiten – sondern wie.

Die häufigsten Streitthemen bei Paaren – was mir Paare in der Praxis erzählen

Bei 63 Prozent der deutschen Paare fliegen mindestens einmal im Monat die Fetzen. Die Themen die dabei immer wieder auftauchen sind erstaunlich ähnlich – quer durch alle Altersgruppen, alle Lebenssituationen.

  • Geld – wer gibt wieviel aus, wer spart, wer entscheidet. In jeder zehnten Beziehung ist Geld ein sehr häufiges Streitthema.
  • Haushalt – wer macht was, wer sieht was, wer erinnert wen. Unterschiedliche Auffassungen von Sauberkeit und Aufgabenteilung gehören zu den häufigsten Reibungspunkten deutscher Paare.
  • Kinder – Erziehung, Konsequenz, wer trägt was.
  • Schwiegereltern – Grenzen, Loyalitäten, wessen Familie bekommt mehr Raum.
  • Sex und Nähe – zu selten, zu wenig Verbindung, unterschiedliche Bedürfnisse.
  • Zeit – zu wenig füreinander, zu viel Arbeit, zu viel Zeit am Smartphone – besonders bei jüngeren Paaren ein zunehmend häufiges Thema.
  • Alte Verletzungen – Dinge die nie wirklich geklärt wurden und immer wieder auftauchen, oft an Stellen die damit scheinbar gar nichts zu tun haben.

Was hinter dem Streit wirklich steckt

Hier kommt das, was ich für das Wichtigste halte – und was viele Paare überrascht.

Es geht fast nie wirklich um das, worüber gestritten wird.

  • Der Streit über Geld ist selten ein Streit über Geld. Dahinter steckt meistens: Sind wir ein Team? Kann ich darauf vertrauen dass du meine Sicherheit nicht gefährdest?
  • Der Streit über den Haushalt ist selten ein Streit über Aufgabenverteilung. Dahinter steckt meistens: Siehst du was ich leiste? Ist es dir wichtig?
  • Der Streit über die Schwiegereltern ist selten ein Streit über Besuche und Grenzen. Dahinter steckt meistens: Stehe ich bei dir an erster Stelle?
  • Der Streit über zu wenig Zeit, zu wenig Sex, zu wenig Nähe – dahinter steckt fast immer dasselbe: Bin ich dir noch wichtig? Willst du mich noch?
  • Das klingt simpel. Aber wenn zwei Menschen streiten, ist genau das der Moment wo diese tieferen Fragen am wenigsten ausgesprochen werden. Stattdessen reden sie über den Abwasch.

Wie ein anderer Umgang mit Streit in der Beziehung möglich wird

Was ich in meiner Praxis beobachte: Paare die lernen diese eigentlichen Fragen zu stellen – und zu beantworten – streiten anders. Nicht weniger. Aber anders. Sie kommen schneller wieder zusammen. Sie verlieren sich im Streit weniger. Und sie wissen auch in schwierigen Momenten noch: Wir sind auf derselben Seite.

Das passiert nicht durch die richtige Kommunikationstechnik. Es passiert wenn beide bereit sind hinter den Inhalt des Streits zu schauen. Wenn einer fragt: Was brauchst du gerade wirklich? Und der andere sich traut ehrlich zu antworten.

Humor hilft dabei übrigens mehr als man denkt – nicht um etwas wegzulachen, sondern weil er zeigt dass man sich selbst nicht zu ernst nimmt. Und eine kleine Geste mitten im Streit – eine Hand auf der Schulter, ein Lächeln – erinnert beide daran warum ihnen das Gespräch überhaupt wichtig ist.

Das lässt sich lernen. Ich erlebe es regelmäßig.

Streit in der Beziehung erkennen und konstruktiv gestalten – ein Workshop für Paare

Wenn dich das Thema berührt und du verstehen möchtest was hinter euren wiederkehrenden Konflikten steckt – dann ist unser nächster Workshop genau das Richtige für euch.

Liebevoll streiten – ein Samstag in Stuttgart für maximal 10 Paare. Gemeinsam mit Katja Rehbach, zertifizierter Mediatorin und Supervisorin, begleiten wir euch dabei eingefahrene Muster zu erkennen, anders miteinander in Kontakt zu kommen – und Konflikte so zu gestalten dass sie euch näher bringen statt auseinander.

Das Datum folgt in Kürze. Wenn ihr dabei sein möchtet, tragt euch jetzt auf die Warteliste ein.

Fabienne Fleischmann ist Paartherapeutin und systemische Beraterin in Stuttgart. Sie begleitet Paare dabei zu verstehen was hinter ihren Konflikten steckt – und neue Wege miteinander zu finden.

Quellen


de_DEGerman